Die erste Woche ist fast um. Berlin überzeugt immer noch mit kleinen Cafés und netten Lokalen, unendlich vielen Einkaufsmöglichkeiten, Kultur Deluxe und einer komischen Sprachverwirrung. Das Wetter ist (uh smalltalk) wie gewohnt sehr aprilisch.
Zwischen Schneegestöber und frühlinghaftem Sonnenschein wandle ich umher auf der Suche nach, ich würde sagen Erkenntnis. Nicht im Sinne von einer ich-fahre-nach-Indien-auf-der-Suche-nach-Erkenntnis Erkenntnis, eher will ich anfangen mich hier in meinem Kiez (jaja, schon wieder, ich bin nunmal in Berlin) auszukennen. So versuche ich jedes kleine Eck zu sehen, zu erkennen, und in meinem Hirn zu verzeichnen. Gelingt mir mäßig gut, es sind noch zuviele Eindrücke.
Hier in Berlin gibt es 9 U-Bahnen, und ca. 16 S-Bahnen, unzählige Busse und Trams. Die U-Bahn spinnt im Schneckentempo (im Vergleich zur guten alten Wiener U4 ist diese eine Schnellbahn) ihr gelbes Netz unter und oberhalb der Stadt. Die Dimension dieser Stadt ist für mich noch garnicht fassbar. Ich bewege mich deshalb, vorsichtshalber nur in gewissen Bezirken und habe auch schon meine eigenen Beschreibung derselben:
Prenzlauerberg: wo ich wohne, viele Café, Bars, Kinder, grün, ruhig
Kreuzberg: wo ich mir eine Wohnung angeschaut habe, Bars, fortgehen, Türken, nicht so ruhig
Mitte: sightseeing, wenig Cafés, teuer
Charlottenburg: Uni, sonst nichts
Man könnte glauben ich bin Kaffeetesterin hier, ich muss auch gestehen, das ist im Moment meine Hauptbeschäftigung.
Die Uni erinnert an das Freihaus nur viel größer und ein bisschen moderner. Überhaupt kommt mir vor, dass hier in Berlin alles einfach viel größer ist – jedenfalls im Westen, wenn ich mir diese Unterscheidung schon anmaßen kann.
Die Leute sind allerdings sehr nett, fast zu nett. Manchmal vermisse ich die wienerische Mürrigkeit. Wenn ich um 9 in der Früh am Alexanderplatz meinen ersten Kaffee (die Sucht wird genährt) kaufe, will ich nicht mit einem verstörenden, unnatürlich freundlichem: “Hallo, was darf ich dir bringen” bedient werden. Wo ist der Mut zur ehrlichen Unfreundlichkeit?
Eine angenehme Folge dieser Freundlichkeit ist, dass man praktisch mit allen sofort per Du ist, keine lästigen Höflichkeitsanreden, das ist beruhigend.
Seit gestern Abend habe ich eine Wohnung. In einer WG im Prenzlauerberg, zwei Mädls sind meine künftigen Mitbewohnerinnen. Das ist eine Neuheit, ich habe noch nie mit sovielen Menschen gleichen Geschlechts zusammen gewohnt. Sie scheinen aber sehr nett zu sein. Lina aus Lithauen, Julia aus Deutschland – eine studiert, eine arbeitet. Mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Nichtraucher Wohnung (die Sucht wird gedrosselt), dafür in der Nähe der Kastanienallee und des Mauerparks, da war ich schonmal und es scheint mir ein gutes Eck zu sein.
Mehr gibt es zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu erzählen. Ich danke für die Aufmerksamkeit und werde mich Mühen von meinen ersten Eindrücken auf der Uni, alsbald zu erzählen.





Na aber zumindest mit einer Julia, da kommen dann vielleicht doch Briggitenauer Nostalgiegefühle auf
Wie ist der Berliner Kaffee eigentlich so im Vergleich zu dem legendären Wiener Kaffe? Ich kann wenn du willst auch ein paar Wiener Kellner beim grantln aufnehmen und dir schicken damit du von zu viel Freundlichkeit nicht platzt
Bitte unbedingt bald Fotos von der neuen Wohnung!
lg gernot
Ich weiß ich tu schon wieder gscheitscheißern, aber die Aprilwetteraussage stimmt ned, wir ham noch nicht mal April also is ein Märzwetter!
Die Wohnung klingt toll, die wär was für mich *gg*.
Naja dann sag ic hnur noch viel spaß noch, keine angst ich schua eh täglich mal.
Also mein Lieber. Der Ausdruck, übriges gibts den glaub ich garnicht, aprilisch – soll auch bedeuten dass es zwar noch nicht April ist, aber das Wetter die Eigenschaften von Aprilwetter hat. Also ein Adjektiv, das dem Wetter egal welchen Monats die Eigenschaften vom klischee-behafteten Aprilwetter zuweist.
Gscheitler sind im allgemeinen nicht sehr beliebt… tztztz